Überlebenskampf verloren

Mit 70 wollte er sich ganz der Schriftstellerei widmen, so hatte er zum 65.Geburtstag verlautbart. Es sollte nicht mehr dazu kommen. Denn Lothar G. Lamperstorfer, seit 1992 TELI-Kollege und vielen Journalisten ein guter Freund, hat seinen Kampf gegen den Krebs verloren: Er verstarb am 1. April in Nürnberg an den Folgen eines Zungen-Karzinoms. Mehrere Operationen hatte der Kettenraucher zwar überstanden und hoffte, es geschafft zu haben – vergebens. Sein Tod hat viele große Lücken gerissen.

Der am 3. August 1933 geborene Frankfurter studierte mit einem Begabtenstipendium Gesang und legte 1958 sein Examen als Konzertbariton ab. "Eine Künstlerkarriere in dieser Zeit? Das schien mir doch etwas zu unsicher." So lief daneben seine Ausbildung in Kunstgeschichte und Publizistik. Dann folgte 1959 ein Zweijahres-Volontariat bei der "Frankfurter Neuen Presse", die ihn als Nachrichtenredakteur übernahm. Von dort wechselte er als Redakteur ins dpa-Landesbüro Frankfurt – mit Themen wie Landesberichte aus Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland sowie einer NATO-Korrespondenz. 1965 berief ihn die "Münchner Abendzeitung (AZ)" als ersten Mann ins brandneue Ressort Wirtschaftspolitik. Hier begann Lampi, wie er allenthalben hieß, seine Fäden zu ziehen, und daraus entstand ein Gespinst, das von außen kaum zu überblicken war:

Er war im besten Sinne ein "Hans Dampf in allen Gassen", voller Motivation, Ideen und Initiativen, denen der bayerische Wirtschafts- und Wissenschaftsjournalismus, aber auch Wirtschaft und Hochschulen vieles zu verdanken haben, und dabei immer liebenswürdig und hilfsbereit. Er arbeitete zunächst nebenbei für den Hörfunk, erneut für dpa und andere Kunden, berichtete dann als Freelance für mehrere Jahre aus Großbritannien, den USA und Kanada, dem Nahen und Mittleren Osten. 1976 wechselte er als Pressesprecher zum MAN-Unternehmensbereich Maschinen- und Strahlbau, Nürnberg/Mainz, wo er bis 1987 blieb, seinem Startdatum in Selbständigkeit und Unternehmensberatung. 

Dem Hause MAN aber blieb er bis 1999 und darüber hinaus treu: Als Handlungsbevollmächtigter und Beauftragter für Medienpolitik und Wirtschaftspublizistik seit 1986 Chef der Öffentlichkeitsarbeit für MAN Technologie, daneben seit 1988 Referatsleiter für Medien, Öffentlichkeitsarbeit und Werbung der MAN Energie GmbH, Nürnberg, die dann zur GEC Alsthom Energie wurde. Die D.I.B. Gesellschaft für Standortbetreiberdienste mbH, München, betreute er als Direktionsbeauftragter für PR-Strategie und CI, war Geschäftsführender Direktor der Landesgewerbeanstalt Nürnberg, Dozent am IMW Institut für Management-Wissen, Ansbach, sowie Lehrbeauftragter der Ludwig-Maximilians-Universität München. Das sind aber nur seine wichtigsten Funktionen. 

Dazu kam eine Fülle von Ehrenämtern, die ihn, wie er mir noch im Vorjahr sagte, über ein Drittel seiner Zeit kosteten. Unter anderen im Bayerischen Journalistenverband und seiner Fachgruppe Wirtschaft und Verwaltung, die er 1982 bis 1998 leitete, und als Vorstandsmitglied des Münchner Presseclubs. Gerade hatte er noch als Mit-Chefredakteur ein Managementjournal für Osteuropa aus der Taufe gehoben, als ihn der Krebs übermannte. Er wird in unserer Erinnerung weiter leben. 

06.04.02 – M. Bormann